Zehntausende rote Backsteine schichteten die Delitzscher 1410 übereinander. So viele Ziegel waren nötig, um die sechs Meter hohe Wehrmauer rund um ihre Stadt zu errichten. 1457 war schließlich auch der dazugehörige Wallgraben fertig gestellt. Das Wasser für den künstlich angelegten Graben wurde aus dem Fluss Lober abgezapft.

Zur damaligen Zeit gab es lediglich zwei Brücken an den Toren der Stadt, die die Bürger nutzen konnten, um den Graben zu überqueren. Um Angreifer abzuwehren, wurde vor dem Graben zusätzlich ein Erdwall angelegt. Liefen Eindringlinge den Wall hinunter, waren sie völlig ungeschützt und konnten von der Stadtmauer aus beschossen werden. Im Dreißigjährigen Krieg trug die Wehranlage einigen Schaden davon. Teile der Mauer wurden zerstört. Anschließend wurde sie nur noch auf etwa drei bis vier Metern Höhe wieder aufgebaut.

Das schräg abfallende Stück Land, das sich zwischen der Mauer und dem Wallgraben befindet, nennt sich Zwinger. Früher unbebaut, um den Wächtern der Stadt freie Sicht zu gewährleisten, wurde der Bereich ab 1820 aufgeteilt und in einzelne Gärten umgewandelt. Heute sind rund zwei Drittel der Zwingergärten in privater Hand. Einige der Grünflächen verwahrlosten seit 1970 zunehmend. 2009 beschloss die Stadt, mit gutem Beispiel voranzugehen und die kommunalen Gärten wieder auf Vordermann zu bringen. Auf mehreren hundert Metern Länge wurden Gestrüpp und Unrat entfernt und der Blick auf die Stadtmauer wieder freigelegt.